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Karl Maier, Film und Medienbüro

Die neue Rot-Grüne Landesregierung hat die ersten 100 Tage hinter sich und muss sich deshalb den obligatorischen Fragen nach den ersten Entscheidungen stellen.

Im Koalitionsvertrag gab es einige hoffnungsvolle Aussagen zur Film- und Medienförderung: "Die rot-grüne Koalition wird die Arbeit des Vergabe-Ausschusses der Nordmedia-Fonds gemeinsam mit unabhängigen Branchenexperten neu strukturieren, die kulturelle Filmförderung ausbauen, die Festivalförderung fortsetzen und das Film- und Medienbüro Niedersachsen institutionell fördern" war da zu lesen. Dadurch wurden bei vielen Medienschaffenden Hoffnungen auf rasche strukturelle Verbesserungen geweckt, die aber derzeit noch nicht angegangen wurden. Wir freuen uns natürlich sehr über die Institutionelle Förderung des Film & Medienbüros, die ab 2014 erfolgen soll, aber auch da scheint es Widerstände zu geben.

Also, die erste Bilanz nach 100 Tagen aus meiner Sicht: Es wird noch einiger Diskussionen und überzeugender Argumente bedürfen, um möglichst bald Verbesserungen auf den Weg zu bringen. Es muss aber auch der politische Wille vorhanden sein, neue Akzente zu setzen, verkrustete Strukturen aufzubrechen und Partner wie den NDR mit auf diesen Weg zu nehmen. Gerne erinnern wir uns in dem Zusammenhang an entsprechende Aussagen von Gabriele Heinen-Kljajic, der neuen Ministerin für Wissenschaft und Kultur und Daniela Behrens, der neuen Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, bei unserer Podiumsdiskussion kurz vor der Landtagswahl. Beide plädierten für eine Änderung der nordmedia-Förderphilosophie hin zu mehr ungewöhnlichen, gesellschaftlich und kulturell relevanten Filmen, auch im Fernsehen. Dass das auch im Interesse des NDR sein sollte und auch innerhalb seines Programmauftrages liegt, sollte hinlänglich bekannt sein.

Dass die TV-Sender zu viel Einfluss auf die Filmförderungen haben, ist auch ein altes Problem. Zuletzt hat Martin Hagemann in einem sehr lesenswerten längeren Interview in der black box einige Punkte angesprochen und fordert ein generelles Nach- und Umdenken bei den Filmförderungen. Und er fordert die Politik auf, sich aktiver einzumischen. Wir in Niedersachsen hoffen, dass die Signale vor der Wahl und die Aussagen im Koalitionsvertrag die Landesregierung und das Parlament beflügeln.

Es gibt viele Baustellen, deshalb ist ein gewisser Schwung erforderlich und das Film & Medienbüro wird seinen Beitrag dazu leisten. Wenn man sich allerdings mal wieder intensiver mit der jahrzentelangen Diskussion über die Filmförderung in Niedersachsen beschäftigt, wird bewusst, wie schwierig es sein kann, wirkliche Veränderungen zu erzielen. Veränderungen fordern übrigens nicht nur wir als Vertreter vieler Filmschaffenden sondern u.a. auch der Landesrechnungshof. Mehr dazu in dieser Ausgabe des Rundbriefs. Das Thema ist so vielfältig, dass wir versuchen werden, dazu demnächst ein Dossier zusammenzustellen. Sinnvoll wäre auch eine überregionale Veranstaltung in Hannover, denn von Niedersachsen sollten Impulse für die Neudefinition von Filmförderung ausgehen. Wir arbeiten dran.

Besonders drängt die Zeit bei den Filmfestivals. Deshalb fordern die im Festivalnetzwerk zusammengeschlossenen Festivals die Landesregierung zum Handeln auf, um die Existenz der Filmfestivals im kommenden Jahr nicht zu gefährden. Bekanntlich fallen die EFRE-Mittel ab 2014 weg und damit fehlen den Festivals rund 25 % ihrer bisherigen Fördermittel. Mehr dazu natürlich auch in diesem Rundbrief.

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Karl Maier

(c) Foto: www.angelavonbrill.de
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 28. Mai 2013 um 08:03 Uhr